Solidarität ist unsere Waffe!

Freitag, 20.10.2017

11. April: 1945, 1981, heute - Der Kampf um das Erinnern ist der Kampf um die Gegenwart

Rede auf Knastkundgebung #FreeFede JVA Preungesheim

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Seit dem 18. März 2015 sitzt Frederic Annibale, genannt Fede, im preungesheimer Gefängnis in Untersuchungshaft. Festgenommen wurde er wegen der Teilnahme an den Blockupy-Aktionen des Vormittags. Eine Haftentlassung wurde bisher abgelehnt, mit der Begründung der "schwere der Tatvorwürfe" und weil bei ihm als in London studierender Italiener von vornherein "Fluchtgefahr" besteht.
Nicht nur in London und Frankfurt, sondern in vielen Städten auf der Welt finden seit dem Solidaritätsaktionen statt. In Frankfurt fand am Samstag, den 11. April bereits die dritte Kundgebung am Knast statt - mit anschließender Demonstration ins frankfurter Gerichtsviertel.
Nachfolgend die Rede auf der Knastkundgebung die am Mahnmal für die vom NS-Regime ermordeten Gefangenen im preungesheimer Gefängnis gehalten wurde.
Sofortige Freilassung von Fede. Freiheit für alle politischen Gefangenen!
https://www.facebook.com/pages/Free-Fede/1522560364631427
http://www.notroika.org/freefede

11. April: 1945, 1981, heute - Der Kampf um das Erinnern ist der Kampf um die Gegenwart
Rede auf Knastkundgebung #FreeFede JVA Preungesheim

Heute vor 70 Jahren, am 11. April 1945, ist etwas in der deutschen, auch der Widerstandsgeschichte, einzigartiges gelungen. Noch bevor die alliierten Truppen das Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar erreichten, konnten die Gefangenen mit einem Aufstand die Wachmannschaften überrumpeln - und mit Waffengewalt das Lager und damit sich selbst befreien.

Für uns ist deshalb der 11. April ein Tag des Widerstandes, ein Tag des Kampfes gegen schlimmste Unterdrückung, ein Tag der Befreiung.

Diese Tag wurde nur möglich, weil die Gefangenen in Buchenwald unter den Bedingungen totaler Unterdrückung, von Folter und Mord, Zwangsarbeit bis zum Tod, sich auch im Konzentrationslager organisierten.

Gemeinsam mit Widerstandskämpfern/innen aus den besetzten europäischen Ländern leisteten sie auch unter diesen Bedingungen Widerstand.

Der Kampf in Buchenwald sagt uns, dass es immer und überall möglich ist, sich zu wehren. Und das es selbst unter Bedingungen der absoluten Defensive und Erniedrigung Chancen auf den Sieg gibt.

Dabei geht es nicht um Heldenmythos. Aber Buchenwald steht für den Mut und den Sieg gegen die alltägliche Barbarei.

Deswegen wird von der herrschenden Geschichtsschreibung - eben die Geschichtsschreibung der Herrschenden - der Buchenwalder Aufstand und die Selbstbefreiung geleugnet, verfälscht und relativiert. Weil es Kommunistinnen und Kommunisten waren.

Dieser Geschichtsrevisionismus hat sein Ziel nicht allein in der Geschichte, sondern in Gegenwart und Zukunft.

Für uns hat der 11. April aber auch noch eine andere Erinnerung. An diesem Tag vor jetzt 34 Jahren, am 11. April 1981 wurde der Genosse Sigurd Debus im Hamburger Gefängnis totgeschlagen.

Sigurd war Militanter der Stadtguerilla. Gemeinsam mit anderen Gefangenen kämpfte er 1981 mit einem Hungerstreik gegen die Isolationshaft. Durch Schläge bei der Zwangsernährung wurde Sigurd so schwer verletzt, dass er daran starb.
Fünf Tage wurde sein Tod geheimgehalten - damit das damalige Ostern nicht durch Krawalle gestört würde.

Nicht nur die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus wird verfälscht und beleidigt. Auch unsere Geschichte der radikalen und revolutionären Linken wird täglich verdreht, dämonisiert oder verharmlost. Je nach dem.

"Jeder Widerstand ist zwecklos" - heißt das Motto, dass in allen Köpfen verankert werden soll. Und jeder Knast steht dafür - während die Kämpfe von Gefangenen - und die Solidarität und der gemeinsame Kampf mit ihnen - dafür stehen, dass nur im Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung Befreiung möglich ist.

Wie jedes Gefängnis hat auch der Preungesheimer Knast eine lange Tradition der Unterdrückung.

1888 als Gefängnis für preussisch-kaiserliche Zucht und Ordnung gebaut, diente es seitdem allen deutschen Regimen.

Die Nazis bauten es zur zentralen Hinrichtungsstätte für Hessen aus. Zwischen 1938 und 1945 gab es hier über 500 Hinrichtungen.

Die erste Hinrichtung fand 1934 statt. Ermordet wurde der 20jährige Kommunist Josef Reitinger, an dem sich die Nazis für einen erschossenen SA-Mann aus dem antifaschistischen Kampf vor 1933 rächten.

Keiner der Mörder wurde je zur Rechenschaft gezogen. Nicht der Gefängnisdirektor, nicht die Henker, nicht die Richter, die Verurteilte zu Dutzenden nach Preungesheim unter die Guillotine schickten, nicht die Polizisten, die Gefangene auf den Transporten schikanierten und ermorderten.

Preungesheim ist noch das was es immer war: ein Knast.

Kein Knast wurde je geräumt, weil dort Verbrechen stattfanden. Sie sind Orte des Verbrechens.

Auch seit 1945 waren und sind in Preungesheim Gefangene aus politischen Gründen inhaftiert. Zum Beispiel die verurteilten Kommunistinnen und Kommunisten nach dem KPD-Verbot 1956, zum Beispiel die Genossinnen und Genossen aus der Stadtguerilla und den Widerstandsbewegungen nach 1968, zum Beispiel die Angehörigen der kurdischen Befreiungsbewegung nach dem PKK-Verbot 1993 - bis heute:

Wir grüßen Frederic Annibale, „Fede“, der seit dem Blockupy-Aktionstag 18. März hier im Knast sitzt.

Wie wir hier und heute seine sofortige Freilassung verlangen, so sollten wir damit nicht aufhören, unsere Solidarität mit unseren gefangenen Genossinnen und Genossen, hier und überall auf der Welt, stark zu machen.

Freheit für alle politischen Gefangenen!

No Justice - No Peace! Ohne Gerechtigkeit - Keinen Frieden!

HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT !


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